Sturztraining: Die Kurz-Anleitung

sturz.jpgVerkrampft festklammern, laut „Zu“ schreien, bis zur letzten Expresse abklettern, dann gemütlich ins Seil setzen – so sehen „Stürze“ in der Halle häufig aus. Nur wenige trauen sich, im Vorstieg an die Leistungsgrenze zu gehen und notfalls ein Stück weit zu fallen. Im Sturztraining bekommst Du das nötige Vertrauen, um Technik und Kraft einzusetzen, ohne vom Kopf gebremst zu werden.

Was bringt Dir ein Sturztraining?

  • Durchziehen statt abklettern: Du gehst näher an Dein Leistungslimit, wenn Du Dich vorher nicht getraut hast.
  • Du kannst Sturz-Risiken und die mögliche Fallstrecke besser einschätzen.
  • Beim Sichern bist Du besser auf die Sturz-Situation vorbereitet.
  • Für Adrenalin-Junkies: Es macht sehr viel Spaß.

Sicherheit:

Wenn Du die nötige Erfahrung hast, brauchst Du für ein Sturztraining nicht unbedingt einen extra Sturztraining-Kurs; prinzipiell reicht ein verlässlicher Sicherungspartner. Ein Kurs ist dann sinnvoll, wenn Du die Risiken nicht selber einschätzen kannst oder Du die Bewegungsabläufe das erste Mal ausprobierst – in der Regel werden im Kurs auch die Feinheiten des Vorstiegs-Sicherns noch einmal wiederholt. Manche Fehler und Unsauberkeiten, die beim Klettern nicht weiter auffallen, sind beim Sturztraining ziemlich schmerzhaft oder führen sogar zu Verletzungen.

Zur Hintersicherung ist es empfehlenswert, dass eine dritte Person hinter Deinem Sicherungspartner das Seil zusätzlich festhält.

Vorbereitung:

Du suchst Dir eine einfache, leicht überhängende, perfekt gesicherte Route, am besten in der Halle. Achte darauf, dass Du keine anderen Kletterer gefährdest, die z.B. in Nachbar-Routen unterwegs sind. ATC und Reverso sind zum Sichern ok. Mit einer HMS-Sicherung wird die erste Übung etwas langsamer, ein Grigri hingegen ist für ein Sturztraining weniger geeignet.

Möglicher Ablauf:

Zunächst steigst Du normal vor, bis das Seil ca. 10 Meter hoch in einer Expresse eingehängt ist. Diese Expresse wird beim Sturztraining stark belastet, deshalb lieber noch einmal ganz genau hinschauen, ob sie solide und nicht abgenutzt ist. Im Interesse Deines Kletterhallen-Betreibers kannst Du für die ersten beiden Übungen auch die Expresse schonen und die Umlenkung verwenden.

Übung 1: Du setzt Dich ganz entspannt ins Seil, als wolltest Du abgelassen werden. Dein Sicherungspartner hält mit beiden Händen das Bremsseil fest. Dann greift er mit seiner normalen Sicherungshand (also wahrscheinlich mit der rechten Hand bei Rechtshändern) das Bremsseil ca. ein bis zwei Meter hinter dem Sicherungsgerät, während er mit der anderen Hand das Seil nahe des Sicherungsgerätes festhält. Bei einer normalen Handhaltung sollten jetzt ein bis zwei Meter Schlappseil zwischen beiden Händen im Bremsseil sein. Wenn der Kletterer bereit ist, lässt der Sicherer das Bremsseil mit der Hand los, die näher am Sicherungsgerät ist, während er mit der anderen Hand (seiner normalen Sicherungshand) das Bremsseil weiterhin festhält. Das Schlappseil läuft dann durch das Sicherungsgerät durch, der im Seil sitzende Kletterer fällt je nach Schlappseil ca. ein bis zwei Meter. Das ist sehr entspannt für den Kletterer, weil er nicht aktiv springen muss, sondern lediglich im Seil sitzt.

Übung 2: Du stehst unterhalb der Expresse im Toprope in normaler Kletterposition. Dein Sicherungspartner gibt etwas Schlappseil, Du lässt Dich fallen.

Übung 3: Um einen Vorstiegs-Sturz zu simulieren, kletterst Du etwas über die Expresse hinaus und lässt Dich fallen. Die Sturzstrecke kannst Du bei Wiederholungen steigern, ideal ist letztendlich eine Absprungposition, bei der Deine Hüfte auf Höhe der nächsten nicht geklippten Expresse ist. Vorsicht: Langsam steigern, weil die Fallhöhe überraschend hoch sein kann!

Wenn Du Dich traust und die nötige Sturzerfahrung hast, kannst Du natürlich auch direkt mit der dritten Übung beginnen.

Wichtig ist weiches bzw. dynamisches Sichern: Die Sturzweite wird etwas länger, dafür ist der Anprall an der Wand deutlich sanfter (funktioniert wirklich!). Wie Du weich sicherst, schaust Du Dir am besten in einem Kurs an, weil es sich theoretisch nur schwer erklären lässt.

(Foto via flickr von stuart100)

2 Responses to Sturztraining: Die Kurz-Anleitung
  1. Thomas Antworten

    *…ein Grigri hingegen ist für ein Sturztraining weniger geeignet.*

    Das ist, entschuldige bitte, ausgemachter Blödsinn. Wenn mit dem Grigri gesichert wird, sollte auch ein Sturztraining mit diesem Gerät gemacht werden (oder Eddy, Cinch etc).
    Da Halbautomaten zu den statischen Sicherungsgeräten zählen ist es unumgänglich, das körperdynamische Sichern zu lernen, und das geht nur in häufigen Sturztrainings.
    Ich sichere oft mit Halbautomaten (Grigri) und behaupte, das genauso hart und genauso weich zu tun wie ein Sicherer mit gerätedynamischen Sicherungsmethoden (Tube, HMS, 8).

  2. [...] Sturztraining [...]... freiklettern-podcast.de/fk004

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Please enter your name, email and a comment.