Welche Kletterschuhe kaufen?

287745284_108f4c10ff_m.jpgMeine ersten Kletterschuhe waren relativ bequem, passten aber nicht . Dabei ist es eigentlich ganz einfach, die richtigen Schuhe auszusuchen und sich nicht auf gehetzte Verkäufer zu verlassen.

1. Grundmodell

Die drei wichtigsten Unterschiede sind die Härte der Sohle, das Fußbett, insbesondere der Zehenbereich, und die Fußspannung. Für Anfänger:

  • Eine harte Sohle unterstützt Deinen Fuß. Das ist besonders dann komfortabel, wenn Deine Fuß- und Zehenmuskulatur noch nicht trainiert ist.
  • Ein tendenziell symmetrisches Fußbett und ein etwas runderer Zehenbereich komprimiert den Fuß nicht so stark.
  • Die Fußspannung erkennst Du an der Sohle: Wenn die Sohle schon einen gespannten Bogen bildet, bevor Du den Schuh überhaupt angezogen hast, die Mitte der Sohle also den Boden nicht berührt, dann ist der Schuh wahrscheinlich für ein starke Fußspannung entworfen worden. Als Anfänger hingegen sind für Dich Schuhe besser, die eine geringere Spannung haben, bei denen die Sohle also nahezu eben auf dem Boden aufliegt.

Fortgeschrittene Kletterer hingegen bevorzugen verschiedene Schuhe je nach Einsatzbereich:

  • Weiche Sohle für kurze, technisch schwierige Routen vs. harte Sohle für lange, einfache (Alpin-)Routen.
  • Asymmetrisches Fußbett und spitz zulaufender Zehenbereich, um auch auf kleinen Tritten noch präzise stehen zu können.
  • Eher geringe Fußspannung für Reibungsklettereien, hohe Fußspannung für Überhänge mit Foot-Hooks etc.

2. Die richtige Größe

Das Modell Deiner Schuhe wird anfangs nur selten entscheidend dafür sein, ob Du eine Route schaffst oder nicht. Von allen Schuh-Entscheidungen am wichtigsten ist die richtige Größe: Zu klein, und Deine Füße schmerzen so sehr, dass Du nicht richtig klettern kannst. Zu groß, und Du kannst auf manchen Tritten nicht sicher stehen, weil Deine Zehen nicht unterstützt werden oder sich der Schuh sogar um Deinen Fuß herum bewegt.

Kletter-Schuhe müssen nicht nur eng sitzen, sondern, gemessen an Straßen-Schuhen, sogar zu eng. Wenn Deine Zehen entspannt und flach im Fußbett liegen, ist der Schuh zu groß, selbst, wenn Du vorne bereits anstößt. Deine Zehen sollten etwas aufgestellt werden und sich im Schuh gerade nicht strecken können. Fortgeschrittene Kletterer wählen in der Regel Schuhe, in denen die Zehen stärker aufgestellt werden, während Anfänger die Zehen anfangs nur minimal aufstellen.

Nach einigen Kletter-Tagen weiten sich Leder-Schuhe. Wenn die Schuhe keine sichtbaren Nähte haben, wird sich Dein neuer Schuh um mindestens eine halbe Größe weiten, bei vernähten Schuhen ist es etwas weniger. Du hast einen passenden Schuh gefunden, der keine Nähte im Oberleder hat? Kaufe ihn eine halbe Nummer kleiner, wenn es irgendwie geht, ohne dass es richtig weh tut. Anfangs ist das etwas unkomfortabel, aber ein paar Kletter-Tage später passt er perfekt.

13243452_6bf0ee45e9_m.jpg3. Klettverschluss, Schnürverschluss oder Slipper?

Schnür-Schuhe passen angeblich besser als Schuhe mit Klettverschluss. Persönlich habe ich diesen Unterschied nie bemerkt, aber das ist sicherlich eine Frage der individuellen Fußform. Ein Klettverschluss hat auf jeden Fall den Vorteil, dass Du die Kletterschuhe vor jeder Route schnell an- und nach jeder Route ausziehen kannst: Zwischendurch trägst Du Sandalen oder öffnest zumindest die Schuhe. Zum Herumstehen, Sichern oder Herumlaufen sind Kletterschuhe viel zu unbequem.

4. Ausprobieren

Einfach nur anziehen reicht nicht. Du brauchst schon sehr viel Erfahrung, um nur vom Gefühl am Fuß die Klettereigenschaften zu beurteilen. Am besten ist es, z.B. bei Sport Schuster (Marienplatz Richtung Sendlinger Straße), den Schuh an einer Kletterwand auszuprobieren. Rumrich (Haidhausen, Innere-Wiener-Str. 30) in meist preiswerter, bietet aber nur begrenzte Möglichkeiten, die Schuhe auszuprobieren.

An der Kletterwand stellst Du Dich natürlich nicht auf die großen Tritte, weil Du dort selbst mit Ski-Schuhen stehen könntest. Nutze die kleine Struktur der Platte, um ein paar Trittstellungen auszuprobieren:

  1. Fußspitze
  2. Außenkante vorne
  3. Innenkante vorne

Rutscht Du weg, wenn Du die Arme entlastest und Dein Gewicht ganz auf einen Fuß verlagerst? Hast Du festen, unmittelbaren Wandkontakt oder verschiebt sich der Fuß im Schuh (dann ist der Schuh zu groß)? Schmerzen Deine Zehen so sehr, dass es Dich beim Klettern behindern würde?

Zum Schluss trittst Du noch einmal auf Reibung an, d.h. Du hältst Dich an einem guten Griff fest und stellst den Schuh mit der vorderen Sohlenfläche an die Wand. Der Schuhe sollte dabei nicht wegrutschen und die Position für Deinen Fuß nicht zu anstrengend sein. Mit den meisten Schuhen geht das relativ problemlos, es sei denn, dass sie für eine sehr starke Fußspannung entworfen wurden. Wenn Du ausschließlich Überhänge in der Halle kletterst, ist es nicht so wichtig, wie sich der Schuh beim Reibungsklettern verhält.

(Photos via flickr von Ladik und Michael Sarver)

4 Responses to Welche Kletterschuhe kaufen?
  1. Ralf Zmölnig Antworten

    Super, Danke, das ist hilfreich und werde ich morgen bei Einkaufen der Ausrüstung für den Grundkurs am WE in Gilching entsprechend beherzigen!

  2. Maddin Antworten

    Hi,
    vielen Dank, wäre in der Richtung sonst völlig im Dunkeln getappt.
    Hat mir sehr geholfen.

  3. Stefan Antworten

    Danke für diese Tipps!
    Wird mir bei meiner Schuhsuche bestimmt eine große Hilfe sein.

  4. [...] zum letzten Artikel: Wo kauft man in München am besten Kletter-Equipment ein? Die Konkurrenz ist groß,... klettern-muenchen.de/shops

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