Anleitung für bessere Kletter-Fotos

silhouette.jpgDu brauchst keine teure Kamera, um spektakuläre Kletter-Bilder zu fotografieren. Mit einigen Grundregeln kannst Du spannende Sportfotos machen, die weit besser als der langweilige Durchschnitt sind. Hier sind 9 Tipps, die ohne großen Aufwand funktionieren.

1. Viele Bilder machen

“Petra, schau mal her!” – So entstehen Bilder, auf denen Kletterer entspannt von einer Rastposition in die Kamera lächeln. Viel spannender ist der konzentrierte Blick beim Klippen im Überhang oder der Augenblick vor dem Sturz. Diese Momente kannst Du nur selten vorhersehen, deshalb hilft es, möglichst viele Fotos zu machen. Du hast erst dann ausreichend fotografiert, wenn die Speicherkarte Deiner Digitalkamera voll ist und Du mindestens 9 von 10 Bildern löschen musst, weil sie uninteressant sind.

2. Vordergrund

Achte darauf, dass Deine Bilder einen Vordergrund haben. Ein zweidimensionales Wandpanorama sieht nach Fototapete oder bestenfalls nach Postkarte aus. Je nach Perspektive kannst z.B. die Schulter des Sicherungspartners, Steine, die Kante des Abgrundes oder auch das zum Kletterer führende Seil mit auf das Bild nehmen. Achtung: Nicht den Sicherer behindern!

isola.jpg3. Perspektive

Du bist draußen, die Sonne scheint, mit der Perspektive kannst Du wenig falsch machen. Wichtigste Regel: Keinen Kletterer von unten fotografieren, das sieht fast nie gut aus. Du kannst z.B. seitlich von einer einfachen Nebenroute aus fotografieren, wenn ihr zu viert seit. Oder Du baust Dir einen Stand, um von oben zu fotografieren. Am besten werden die Fotos, wenn das Gesicht des Kletters zu erkennen ist.

4. Schattenriss

Zugegeben, für einen Schattenriss musst Du zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. In der Nachbearbeitung kannst Du mit etwas Aufwand nachhelfen, aber in der Regel wirst Du diese Aufnahmen bewusst planen müssen. Dafür sehen sie ziemlich spektakulär aus.

5. Brennweite bzw. Zoom

Keine Faustregel, allerdings solltest Du Dich bewusst entscheiden: Weitwinkel-Aufnahmen ermöglichen mehr Panorama und mehr Eindruck von Tiefe. Wenn Du z.B. in einer Mehrseillängen-Tour einen relativ nahen Kletterer von oben fotografierst, sieht der Abgrund im Weitwinkel viel dramatischer aus. Mit längeren (Tele-)Brennweiten kannst Du hingegen kleinere Details abbilden, z.B. das Gesicht des Kletterers. Interessant ist es auch, Kletterer und Sicherer per Teleobjektiv so zu fotografieren, dass es aussieht, als wären sie sich ganz nahe, obwohl zwischen ihnen mindestens 20 Meter Seil sind.

arc.jpg6. Bildserien

Du dokumentierst einen Bewegungsablauf oder eine Schlüsselstelle in mehreren Bildern. Je nachdem, wie viel Aufwand Du betreiben möchtest, kannst Du die einzelnen Bewegungsphasen in der Nachbearbeitung in einem Bild übereinander legen. Dafür ist ein Stativ dann ausnahmsweise doch sinnvoll.

7. Nicht nur beim Klettern fotografieren

Menschen und Atmosphäre sind vorher und nachher meist besser abzubilden.

8. Abseilen

Keine sportliche Höchstleistung, aber beim Abseilen entstehen oft sehr dynamische Fotos.

9. Die richtige Ausrüstung

Du brauchst kein großartiges Kamera-Equipment, solange Du nicht unbedingt Dein Geld mit diesen Fotos verdienen möchtest. Point-and-Shoot-Kameras sind praktisch und reichen in der Regel aus. Ein Stativ hingegen ist ziemlich unpraktisch und auch meist nicht notwendig. Wenn Du trotzdem Deine Spiegelreflex-Kamera mit einem Teleobjektiv verwenden möchtest, lohnt es sich, in ein bildstabilisiertes Objektiv zu investieren.

(Bilder via flickr von Tooley, gego2605 und laughingmonk)

4 Responses to Anleitung für bessere Kletter-Fotos
  1. Fabi Greht Antworten

    Hallo
    ich habe eine weiterführende Frage, die mich seit einiger Zeit beschäftigt. Wie kriegt man am Besten die Fotoausrüstung in die Wand? Was für Objektive nimmt man mit und wie transportiert man sie. Wie wechselt man sie?

    Gruss
    fabi

  2. Sven Karsten Greiner Antworten

    Hi!

    >Wie kriegt man am Besten die Fotoausrüstung
    >in die Wand?
    Da kann ich dir leider nicht besonders helfen. Ich habe in ein paar Wochen erst meine ersten Klettererfahrungen, bin also noch ganz neu ^^

    Als Fotograf kann ich deine anderen Fragen aber beantworten:

    >Was für Objektive nimmt man mit
    Kommt auf die Situation an. Wenn du nicht an der Wand hängst, kannst du ruhig mehrere Objektive mitnehmen. Ein Ultraweitwinkel, ein Normalobjektiv und ein Tele bzw. entsprechende Zooms.
    An der Wand ist ein Zoom mit einer möglichst umfangreichen Brennweite nützlich.

    >und wie transportiert man sie.
    Im Rucksack am besten.

    >Wie wechselt man sie?
    Eigentlich ganz normal. Einen sicheren Griff sollte man sowieso haben – ob das Objektiv einen Meter oder 30m fällt macht auch keinen großen Unterschied.
    An der Wand wird es etwas schwieriger. Wenn du gut abgesichert bist, sollte es aber auch funktionieren.

    Eine Anmerkung habe ich noch: Einen Bildstabilisator finde ich hier unpassend, da man eh ausreichend kurze Belichtungszeiten braucht, damit der Kletterer nicht verwackelt. Da kann man dann wieder an Gewicht sparen.

    MfG Sven

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  4. EDI Antworten

    >Wie kriegt man am Besten die Fotoausrüstung
    >in die Wand?
    In ein Seillängentouren am besten von unten. Achter fixieren, Partner bindet die Fototasche ins Seil und du ziehst hoch. Am besten gehts bei mindestens senkrechtem Gelände.
    Bei mehreren Seillängen zwei Seilschaften bilden. Wobei du (der Fotograf) der Nachsteiger der ersten Seilschaft bist und die zweite Seilschaft fotografierst.

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